Die Reibung als Spinfaktor

„Würde man den gleichen Spinloft zugrunde legen, würden moderne Dopplerradar-Messgeräte immer gleichen Spin messen“. Weit gefehlt, diese noch vor 12 Monaten gängige Behauptung gilt als widerlegt. Die Reibung, welche ein Schläger im Kontakt an der Ballaußenhaut hat, ist maßgeblich am Spin und ballistischen Flugverhalten des Balles mitverantwortlich. In der Fachsprache hat sich der Begriff Friction-Launch etabliert. Der Friction Launch beschreibt in Prozent wie stark ein startender Ball unterhalb des dynamischen Lofts von der Schlagfläche abgeht. Startet der Ball genauso, wie die Schlagfläche beim Impact zeigt, hat der Schläger 0% ‚Grip‘ und die Schwungrichtung, sowie der Eintreffwinkel haben keinen Einfluss auf den Ballflug. Je höher der Prozentsatz im Friction-Launch, desto stärker der ‚Grip‘ der Fläche, desto höher der Spin und desto flacher der Ballflug. (dynamischer Loft-Abflugwinkel)x 100/Spinloft = Friction Launch)

Ein Schläger hat im Normalfall drei Rillen, welche im Kontakt die Ballaußenhaut berühren und ‚reingreifen‘. Moderne Wedges haben bis zu 5 Rillen, die den ‚Grip‘ auf den Ball erhöhen. Zusätzlich sind die Flächen von Weges heute häufig ‚milled‘, also mit einem sandstrahlartigen Rillenmuster versehen, so als hätte ein Mahlstein darauf herum gemahlen. (siehe Grafik). Schläger ohne Rillen sind also im Driverbereich richtig (dort bitte nicht die etwaig noch vorhandenen Rillen berühren), im Eisenbereich hingegen sind sie absolute Spinkiller.

Durch unterschiedliche Reibung wird ein 50 yard Sandwedge bei gleichem Spinloft, Unterschiede in Ballabflugwinkel und Spin des Balles beim Abflug zwischen 36 Grad Abflug bei 4000 U/min und 28 Grad und 8000 U/min erreichen können. Das heißt, es ist nicht immer ein komplett anderer Schwung der unterschiedliche Performance zeigt, sondern hier spielt das Material einen wesentlichen Anteil am Endprodukt. (Im Übrigen verlieren Wedges durch Benutzung an Kantenschärfe der Grooves und somit an Spin. Stark bespielte Wedges gilt es also auszutauschen, sofern man ernsthaft versucht Golf im niedrigen Handicapbereich zu spielen.)

Zusätzlich ist der Ball, oder besser, die Ballaußenhaut relevant für die Reibung des Balles. Eine harte Schale lässt deutlich weniger Spin zu als ein Ball mit weicher Schale.

Am dramatischsten ist jedoch der Einflussfaktor ‚Gras‘ auf den Ballkontakt und somit auf die Reibung. Eine gute Fairwaylage lässt viel mehr Spin zu als eine langhalmige Roughlage. Ein guter Kontakt ist also das A und O eines gelungenen Golfschlags. Auch verschiedene Grasarten erzeugen unterschiedlichen Friction Launch. Kikuya (Südafrika) hält den Ball aufgrund der starken Blätter hoch und lässt den saubersten Kontakt zu, Bermuda (warme Mittelmeergegenden und USA) etwas weniger, Rispen-, Straußen- und Süßgräser (Deutschland) sind am weichsten und setzen sich so mehr beim Kontakt zwischen die Fläche und den Ball, daher lassen sie den durchschnittlichen geringsten Drall zu.

Feuchtigkeit hat, entgegen der Erwartung, keinen Einfluss auf das Spinverhalten oder den Abflugwinkel beim Annäherungsschlag.

Tipp 1: Wann immer erlaubt, benutzen sie ein Tee um einen guten Kontakt zu gewährleisten.

Tipp2: Üben sie nicht nur von Matten, sondern üben sie, besonders ihr Annäherungsspiel, vom Rasen. Die Genauigkeitsanforderung des Schlages steigt enorm.

Lesen sie im nächsten Teil über Abflugwinkel und Landewinkel des Balles und deren Anwendung.