Gear Effekt 2

vertikaler Gear-Effekt

So, wie bei Treffern mit seitlichen Abweichungen zur Mitte der Schlagfläche horizontaler Gear-Effekt entsteht, entsteht vertikaler Gear-Effekt bei senkrechten Abweichungen zur physikalischen Mitte der Schlägerfläche.

Die physikalische oder auch Gear-Effekt-neutrale Mitte einer Driverschlagfläche liegt ca. 0,6 cm (siehe Grafik 1) oberhalb der geometrischen Mitte. Alle Kontaktpunkte oberhalb dieses Punkts erzeugen weniger Rückdrall, alle Kontaktpunkte unterhalb dieses Punkts erzeugen mehr Rückdrall.

Aufgrund des Rolls der Schlagfläche und des Nach-hinten-Kippens des Schlägerkopfes bei Treffern oberhalb des physikalischen Mittelpunktes (siehe Grafik 2) entstehen höhere Ballflüge mit reduziertem Rückdrall. Zusätzlich zur höheren Flugbahn entstehen erstaunlicherweise flachere Landewinkel.

Diese Effekte zusammengenommen lassen einen Ball mit 150 mph Abfluggeschwindigkeit, der 1,5 cm über der geometrischen Mitte getroffen wird, ca. 7 Meter weiter fliegen und um 0,6° flacher landen, was wiederum zu einem längeren Ausrollen führt. Die dunkelgrüne Trefflinie in Grafik 1 ist die ideale Höhe zum Treffen beim Driver.

Bei Abweichungen nach unterhalb der physikalischen Mitte erhöht sich der Rückdrall bei flacherem Abflug und steilerem Landewinkel. Der Längenunterschied zwischen „unten auf der Fläche“ und „ideal oberhalb auf der Fläche“ getroffener Bälle ist dramatisch. Bei einer Schlägerkopfgeschwindigkeit von 100 mph beträgt er fast 40 Meter.

Daher gilt: Wollen Sie extra Länge und weniger Kurve beim Drive? Dann teen Sie Ihren Ball hoch auf und versuchen Sie ihn oberhalb der Mitte in der Aufwärtsbewegung zu treffen!

Gewichtsschrauben oder Gewichtsverteilung im Driver. Hilft das?

Gewichtsschrauben oder Gewichtsverteilung zu den Seiten des Schlägerkopfes waren lange Zeit als Marketing-Gag verschrien. Tatsache ist, dass die typische 16 Gramm-Umverteilung zu einem veränderten Trägheitsmoment (MOI) und somit auch zu einem veränderten Gear Effekt führt.
Rennomierte Schlägerhersteller werben mit 15 Meter weniger Slice beim Driver. Um diese Werte zu erreichen müßte der Driver mit 120 mph geschwungen werden (in etwa die Geschwindigkeit von Rory McIlroy). Beim 100mph Schwung des typischen männlichen Low-Handicappers beträgt der Anti-Sclice-Spin immerhin noch 11 Meter, während der Durchschnitts-80mph-Spieler, der meist eher mit einem fulminanten Slice aufwartet, nur um 5,40 Meter begradigt wird.

Einen Slice zu korrigieren ist hingegen eine Sache, die in Ihrer Grundproblematik in einer Unterrichtseinheit berreinigt werden kann. Dass wiederum führt dann auch automatisch zu mehr Länge und somit weniger Schlägen.

Wieviel vom Gear Effekt macht der Schaft aus?

Wenn es um den horizontlen Gear Effekt geht, ist die Torsion (Torque) eines Schafts nur zu ca. 1% am Verdrehen des Schlägerkopfes beteiligt. Ein verbesserter Schaft kann also nicht helfen einen Slice oder Hook zu begradigen.

Geht es um den vertikalen Gear-Effekt hat die Steifheit im untersten Teil des Schafts (Tip-Stiffness) sehr begrenzte Wirkung. Untersuchungen verschiedener Physiker kommen zu Ergebnissen von 3% bis 14% Wirkung. Das heißt, dass die Trägheit maßgeblich für den vertikalen Gear-Effekt ist, wie man aus der High-Speed-Photo-Sequenz von Russ Ryden unschwer erkennen kann. Der Ball in Grafik 2 ist längst von der Schlagfläche weg und der Schaft biegt sich noch ca. 10 mal so stark weiter. Die Schlägerkopfstellung ähnelt der Grafik 3.3. in Ballflug 6 über den horizontalen Gear-Effekt.
Somit trägt ein verbesserter Schaft auch nicht zu weniger Spin, oder deutlich verbessertem vertikalem Gear-Effekt bei.

Doch die Macht der Werbung ist nicht zu unterschätzen. Der durchschnittliche Mann kauft durchschnittlich 4 mal häufiger einen neuen Driver als andere Schläger – warum nur?